Muss es immer Fotolia sein?

Frische Bildsprache statt immer der gleiche Einheitsbrei

Nicht zuletzt waren es viele Kundenprojekte, die mich im Sommer 2015 dazu motiviert haben,  mich künftig verstärkt dem Thema Bildsprache zu widmen. Etliche meiner Kunden recherchieren selbst nach Bildern und liefern diese für Print- oder Webprojekte an. Beliebt ist dabei die Bilddatenbank Fotolia, in der ich nur selten suche und noch seltener fündig werde. Warum haben die so einen Erfolg bei Unternehmern, obwohl die Lizenzbestimmungen bei anderen Bilddatenbanken oft userfreundlicher sind, die Suchmöglichkeiten besser sein könnten sind und die angebotenen Bilder nicht wirklich vom Hocker hauen? Ich mache mich auf, ein wenig Abwechslung in die "ich such mal eben schnell bei Fotolia"-Bildrecherche zu bringen.

Gut Ding will Weile haben: Zeit für die Bildrecherche nehmen

Auf dem Wochenmarkt geht man von Stand zu Stand und wählt aus dem reichhaltigen Angebot. Warum nicht beim Bilderkauf?

Auf dem Wochenmarkt geht man von Stand zu Stand und wählt aus dem reichhaltigen Angebot. Warum nicht beim Bilderkauf?

Bevor ich meine Lieblings-Bilddatenbanken vorstelle noch eines vorweg: Ich habe das Gefühl, dass Bilder oft gekauft werden, wie man abends um zehn vor Acht noch in den Supermarkt um die Ecke huscht, an den Regalen vorbeiflitzt und alles mögliche in den Wagen wirft. Schnell zur Kasse, super, dass man den Einkauf noch geschafft hat. Das gute Gefühl verdrängt den Gedanken, dass das abgepackte Fertigfood oder die von anderen Kunden verschmähten Reste aus der Obst- oder Gemüsetheke nicht wirkliche Appetithappen sind.

Und noch ein Phänomen beobachte ich, wenn Kunden die Inhalte für Webseiten oder Broschüren selbst anliefern: Den Texten räumen Unternehmen einen hohen Stellenwert ein. Hier werden eigens Texter engagiert, die Ergebnisse sorgfältig redigiert, immer wieder umgeschrieben, bis der Text richtig gut passt. Der Auswahl von Bildern wird leider nicht so viel Augenmerk geschenkt. Dabei schaut sich der Betrachter immer zuerst die Bilder an, ehe er sich mit dem Text beschäftigt. Das Bild holt uns in Bruchteilen von Sekunden ab, der Text bekommt erst dann eine Chance, wenn es das Bild geschafft hat uns zum Lesen zu bewegen. Das beschreibt Bela Mutschler in seinem Blogbeitrag sehr gut "Erfolgsfaktor Bildsprache: Wie die richtigen Fotos und Bilder Ihrer Webseite helfen!" Und ich stelle mir die Frage: Warum werden dann gerade die Bilder im Schnellverfahren im "Fotolia-Supermarkt" gekauft?

Mal woanders stöbern und neue Bilderwelten kennen lernen

Also: Besuchen Sie bei der nächsten Bildrecherche mal den "Foto-Wochenmarkt", tauchen Sie in andere, frische, kreative Bildwelten ein und lassen Sie sich von verschiedenartigen Bildstilen und Bildkonzepten inspirieren. Jede Menge Alternativen zu Fotolia - auch kostengünstige - finden Sie in der Infothek. Doch Vorsicht: Beschäftigen Sie sich immer vorab mit den jeweiligen Lizenzangaben der Fotodatenbank, ehe Sie zuschlagen. Aber jetzt geht es wirklich zu den Alternativen zu Fotolia.

Deutsch, kreativ und erfrischend anders: www.photocase.de

Auf Photocase bin ich schon 2006 gestoßen und bin immer noch begeistert von dem andersartigen Bildstil. Hier findet man nicht den üblichen Einheitsbrei, sondern eine junge, freche Fotografie. Cleane, gestylte und handwerklich herausragende Profibilder wird man vermissen, dafür sind die Fotos um Welten kreativer als bei Fotolia. Sie sind irgendwie aus dem Leben gegriffen. Und ganz deutsch, denn Photocase kommt aus Berlin.

Frank Erler, einer der Photocase-Gründer, im Interview auf die Frage: Was unterscheidet Euch von anderen „Microstock“ Bildagenturen?: "Ich denke mal in erster Linie die Art der Fotos und die Bildsprache. In zweiter Hinsicht ist unsere Herangehensweise an „Stockfotografie“ ein wenig anders. Photocase entstand aus der Leidenschaft zur Fotografie. Und das ist auch heute noch immer so. Wenn wir Fotos sichten, denken wir in erster Linie nicht, ob dieses Foto viele Nutzer kaufen würden, sondern wir achten auf Ästhetik, Kreativität, Atmosphäre, Emotion… . Wir legen nicht so viel Wert auf die gängigen Stockmotive, dafür gibts schon genug andere Seiten. Wir wollen Fotosuchenden eine wirkliche Alternative bieten. Wir lieben einfach die Fotos, die Fotografen bei uns zeigen. Das klingt zwar ein wenig kitschig. Ist aber wirklich so. Wenn ich durch unsere Fotos gehe oder jeden Tag gucke, was so Neues reinkommt, dann bin ich schlichtweg begeistert." Das ganze Interview ist hier nachzulesen.

Die Preise sind für die angebotene Qualität super: Man wählt aus drei Bildvarianten: Klein, groß und supergroß. Die Abnahme erfolgt wie bei den meisten Stockarchiven über Credits. Fotograf und Photocase als Bildquelle müssen im Impressum genannt werden. Zahlt man einen Aufpreis, geht es auch ohne. Eine faire Sache. Die Lizenzangaben sind kurz und leicht verständlich. Man muss sich hier nicht durch seitenlange Rechtstexte wühlen.

Kostenlos und große Auswahl an ansprechenden Bildern: www.pixabay.com

die Bildrecherche und der download auf pixabay funktioniert überraschend einfach.

die Bildrecherche und der download auf pixabay funktioniert überraschend einfach.

Auch auf Pixabay funktioniert die Suche mit deutschen Schlagworten. Kein Wunder, denn die Bilddatenbank hat ihren Sitz in Neu-Ulm. So findet man hier auch typisch deutsche Motive, übrigens auch eine Stärke von Fotolia, obwohl das ein US-amerikanisches Unternehmen ist. Die Bilder sind oft einfache Detailaufnahmen, die schnörkellos daher kommen und oft weit weg sind von Profiaufnahmen. Aber oft braucht es das für die Bildsprache auch gar nicht. Wichtiger ist es, dass das Foto den "Leser" abholt und ihn auf unsere Themen neugierig macht. Das schafft man mit den Bildern von Pixabay auf alle Fälle. 

Und das gute daran: Die Bilder sind selbst für kommerzielle Nutzung kostenlos. Es gibt verschiedene Größen, für alle fallen keinerlei Gebühren an. Pixabay erklärt in den Nutzungsbestimmungen: "Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0." Achtung bei Personenaufnahmen, denn wenn der Fotograf auf sein Nutzungsrecht verzichtet, heißt das noch lange nicht, dass das die abgebildete Person auch macht.

Nach dem Download wird man aufgefordert, dem Fotografen einen virtuellen Kaffee für die Nutzung des Fotos zu spendieren. Die Höhe bleibt dem Spender überlassen. Über eine Quellenangabe freut sich Pixabay, ist jedoch kein Muss.

Profiqualität für kleines Geld: www.stocksy.com

Auf Stocksy tummeln sich viele professionelle Fotografen. Hier findet man erstklassige Fotos, die sich von den unter 10 Euro Bildern deutlich abheben. Dafür sind sie selbst in hoher Auflösung günstig. Bilder in der Größe "Small" dürfte für Blogposts oft reichen und ist für 10 USD zu haben. Für größere Auflösungen oder Abbildungen sind 50 USD für die hohe Qualität immer noch sehr günstig für die angebotene Qualität. Allein die Suche macht schon großen Appetit, der einfache, klare Aufbau und die tollen Bilder machen es mir oft schwer, zu einer anderen Bildagentur zu wechseln. Die Suche ist nur über englische Begriffe möglich. Rein deutsche Inhalte, wie zum Beispiel Oktoberfest oder München findet man hier nicht. Dafür sind jede Menge tolle Landschaftsaufnahmen zur Verfügung oder stylische Peoplefotos.

Die Bildagentur mit hohem Suchtpotenzial: www.500px.com

500px erinnert zunächst an Instagram, funktioniert ähnlich mit der Vergabe von Herzchen als Like für das Bild. Oder man folgt dem Fotografen, teilt Bilder über die üblichen Social Media Portale. Wie in Instagram sind auch hier viele professionelle Fotografen unterwegs, die 500 px nutzen, um ihre Bekanntheit zu steigern und auf der Jagd nach Followern sind. Der Clou ist nämlich, dass man beim Einstellen der Bilder selbst festlegt, ob man seine Bilder nur zeigt, oder sie über 500px zum Verkauf bzw. zur kommerziellen lizenzpflichigen Nutzung anbietet. Können die Bilder nicht über 500px gekauft werden, kann man über das Profil direkt mit dem Fotografen in Kontakt treten und dort das jeweilige Bild anfragen bzw. über den Preis verhandeln. So ist 500px auch eine gute Basis, um auf gute Profifotografen aufmerksam zu werden. Klickt man bei der Suche "Only In Marketplace " an, erscheinen nur die zum Verkauf stehenden Fotos.

Gut recherchierte Galerien bieten oft schon gut aufeinander abgestimmte Bilder und damit die Basis für eine konsquente Bildsprache.

Ich habe mich bei der Recherche nach Landschaftsaufnahmen für eine Kundenwebsite in die Bilder von Kilian Schönberger verkuckt, der seine atemberaubenden Fotos zu Recht nicht sonst üblichen 50 USD für Web bzw. 250 USD für Print anbietet. Wer absolute Top-Fotos mit Profi-Qualität haben möchte, muss eben ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. An der Stelle ein Appell an alle Unternehmen, die dem Existenzgründertum entwachsen sind: Sparen Sie nicht am falschen Ende. Ruhig mal ein bisschen mehr für die Bilder ausgeben, gerade wenn sie länger im Einsatz sind. Der Unterschied wird den Kunden und Interessenten auffallen und Ihre Marketingkommunikation grenzt sich deutlich vom Wettbewerb ab.

Geheimtipp: www.westend61.de

Zurück nach Deutschland - vielmehr in den Stadteil, durch den ich jeden Tag ins Büro radle. Die Bildagentur Westend61 bietet eine moderne und hochwertige Bildsprache an und schreibt über sich: "Im Jahr 2003 in München gegründet, bieten wir den internationalen Märkten eine breit gefächerte Kollektion an frischem, kreativem und jungem Bildmaterial an, insbesondere aus den Bereichen Lifestyle- und People-Fotografie. Darüber hinaus wird die Kollektion durch ausdrucksstarke Bilder aus allen anderen für den Stockmarkt relevanten Kategorien wie beispielsweise Reise-, Natur-, Food-, oder Symbolfotografie ergänzt." Klar, dass man hier typisch deutsche und bayerische Motive in Hülle und Fülle findet und man bequem in deutsch suchen kann.

Die Preise sind für Blogposts oder für das Internet noch erschwinglich. Für größere Auflösungen muss man mit 300 bis 500 Euro rechnen. Die Bilder sind es Wert, gerade wenn man Gesichter sucht, die nicht auf jedem Plakat zu finden sind, wie die von iStockphoto, Fotolia & Co.

Der Blog Bilderheimat stellt immer wieder Trendthemen vor und bietet Einblicke hinter die Kulissen.

Fazit

Das waren meine Lieblings-Bilddatenbanken. Jede Menge Links zu weiteren Bildquellen finden Sie in der Infothek im Bereich Bildagenturen. Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken. Und die Frage, ob es immer Fotolia sein muss, hat sich wohl dann auch von selbst beantwortet, oder?