Mitten ins Herz - Die Bildsprache der Berliner Verkehrsbetriebe im Vergleich zur MVG München

Im Januar hat mich ein Termin mal wieder in die Hauptstadt geführt und mir sind die pfiffigen Plakate der Berliner Verkehrsbetriebe BVG mit ihrer witzigen und authentischen Bildsprache aufgefallen. Und dachte mir spontan, da könnte sich München echt eine Scheibe abschneiden. Allerdings ohne mir die Bildsprache der MVG näher angesehen zu haben, da ich ja meistens mit dem Radl unterwegs war. Aber im Januar war ich wegen meiner Meniskus-OP und dem Wintereinbruch auf die S-Bahn angewiesen und habe in S- und U-Bahn die Augen offen gehalten. Hier also die Bildsprache im beider Verkehrsgesellschaften im direkten Vergleich.

Einfach gelungen: Die Bildsprache der BVG

Frech, schlagfertig, ironisch und unkonventionell - so treten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit ihrer erfolgreichen Kampagne #weilwirdichlieben seit drei Jahren auf. Für manche Betrachter sogar eine Nummer frech, wenn es um die Aussagen und Sprüche geht. Hier ein Bericht aus der Berliner Zeitung.

Hier einige Beispiele: Die Plakate sind einfach ein Hinkucker, man kann sich ihnen nicht entziehen. Und meistens geht man mit einem Schmunzeln weiter.


 Quelle: www.bvg.de

Quelle: www.bvg.de

 Quelle: www.bvg.de

Quelle: www.bvg.de

 Quelle: www.bvg.de

Quelle: www.bvg.de

 Quelle: www.bvg.de

Quelle: www.bvg.de


Fakt ist: Die "Liebes-Kampagne" kommt an. Und zwar richtig gut. Das liegt an einer gelungenen Kombination von Bildsprache und textlichen Aussagen. Begleitet werden die witzigen Sprüche auf den Plakaten von einem genialen Social Media Team, das schlagfertig, locker und mit Berliner Schnauze die Posts der - oft genervten - User beantwortet. So gibt es mittlerweile einige Sammlungen der besten Social Media Posts.

Die unkonventionellen Sprüche auf den Plakaten ergänzen sich ideal mit der Bildsprache. Nah dran, emotional, authentisch, ungeschminkt, frisch, modern, humorvoll, frech, ironisch, mitten aus dem Leben und damit voll trendy ist die Bilderwelt der BVG-Kampagne. Leicht gelbstichig, also im Farbauftritt der BVG und immer im einheitlichen Look, präsentieren sich die großformatigen Aufnahmen hinter den gelben Textstreifen. Die Szenen sind so aufgenommen, als sitzt man selbst in der U-Bahn, im Bus, steht auf der Rolltreppe, am Bahnsteig. Der Betrachter wird so mitten im Geschehen genommen. Ob Plakate, Webeanzeigen, Social Media, egal, um welches Thema es geht: Der Stil zieht sich einheitlich durch und wird konsequent verfolgt. So, dass User und Fans eigene Plakate und Layouts entwerfen.

MVG: Kunterbunter Mix statt pfiffige Bildsprache

Zurück in München versuche ich aus den Plakaten und Werbebannern der Münchner Verkehrsbetriebe ein durchgängiges Bildkonzept zu erkennen. Fehlanzeige. Eine einheitliche Bildsprache oder ein stimmig grafischer Auftritt erschließt sich mir nicht. Mal eine künstlich wirkende Shooting-Szene im Fahrzeug, mal übertriebene freigestellte Stockfotos. Verschiedene Hintergründe, mal das MVG Blau, dann wieder Friedhof-Schwarz. Mal Fotos, mal grafische Elemente. Und dazu nichtssagende Headlines, wie hier im Beispiel: "Weil's einfach besser ist!" Dieser Slogan könnte für alles mögliche stehen und ist ebenso austauschbar wie das Bild im Hintergrund. Die eingesetzten Bilder sind belanglos, austauschbar und langweilig - und ergänzen sich damit wunderbar zu den Headlines ohne wirkliche Aussage. Gähn.


mvg-bildsprache.jpg

Schließt dieser junge Mann die Augen, weil er sich für die Headline schämt?
Quelle: www.mvg.de

 Übertrieben ist hier einzig und allein die Bildsprache. Quelle: www.mvg.de

Übertrieben ist hier einzig und allein die Bildsprache.
Quelle: www.mvg.de

 Fröhlich ziehen wir uns am T-Shirt und machen Werbung für die MVG, aua ... Quelle: www.mvg.de

Fröhlich ziehen wir uns am T-Shirt und machen Werbung für die MVG, aua ...
Quelle: www.mvg.de

 Hier ist nichts authentisch, sondern fürs Foto gestylt. Quelle: http://coachcom.de/portfolio/mvg/

Hier ist nichts authentisch, sondern fürs Foto gestylt.
Quelle: http://coachcom.de/portfolio/mvg/


Und es nicht schon bunt genug ist ...

Neben diesem Stückwerk aus unterschiedlichen Bildstilen setzt die MVG auf Comic-Helden im kindlichen naiven Stil, der mich sehr an die Heidi-Welt aus den 70er Jahren erinnert. Ein blondes, niedliches Münchner Kindl ist Hauptdarsteller in den Erklärvideos und auf Anzeigen oder Plakten. Gut, Retro ist in, aber wenn schon, dann muss es richtig gut gemacht sein. Das niedliche Münchner Kindl als Superheld mit erhobenen Zeigefinger, mal ermahnend, mal wütend, mal hilfsbereit erheitert sicher Kindergartenkinder. Ob dieser Auftritt die Zielgruppen erreicht?


 Comicstil mit Münchner Kindl. Quelle: www.erklaervideo.com

Comicstil mit Münchner Kindl.
Quelle: www.erklaervideo.com

 Das Münchner Kindl als MVG Superheld? Quelle: http://coachcom.de/portfolio/mvg/

Das Münchner Kindl als MVG Superheld? Quelle: http://coachcom.de/portfolio/mvg/


Kein Wunder, dass bei diesem zusammengestücktelten Auftritt die Fahrgäste der MVG lieber die Augen schließen. Ich freue mich auf meine nächste Städtereise und bin schon gespannt auf die Plakate der jeweiligen Verkehrsbetriebe.

Vielleicht haben auch Sie schöne Beispiele in Ihrer Stadt oder auf Reisen gesehen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare und LInks.

 Plakate zum Einschlafen: Gesehen in der Münchner U-Bahn Foto: Angelika Güc

Plakate zum Einschlafen: Gesehen in der Münchner U-Bahn
Foto: Angelika Güc